Tierstimmen. Kontakt durch Klang

Shownotes

Ein Wal singt durch die Weiten des Ozeans. Eine Fledermaus erkundet die Nacht mit Schall und Echo, Raben rufen einander zu. Jede Tierart trägt zum Klang der Erde bei. Wenn Arten verschwinden, verstummen auch ihre Stimmen.

Jessica Ullrich ist Kunstwissenschaftlerin und forscht unter anderem zu Mensch-Tier-Beziehungen in der Kunst und Ästhetik. Martin Ullrich ist Musikwissenschaftler und beschäftigt sich mit Musik und Klang im Verhältnis zwischen Menschen und anderen Tieren. Gemeinsam haben sie die Ausstellung "Tierstimmen. Kontakt durch Klang" kuratiert. Ihre beiden Perspektiven eröffnen neue Sicht- und Hörweisen: Musik, Klang und Rhythmus werden als Brücken zwischen den Arten sichtbar.

Im Gespräch mit Marilena Berends erläutern sie: Was passiert, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf die Stimmen anderer Lebewesen richten? Können wir durch das Zuhören eine andere Beziehung zu unserer nicht-menschlichen Umwelt entwickeln – und was bedeutet das für uns Menschen? Kann Klang den Verlust der Artenvielfalt sichtbar machen?

Die 3-teilige Podcastreihe _Tierstimmen. Kontakt durch Klang _des Museums Sinclair-Haus begleitet und vertieft die Inhalte der gleichnamigen Ausstellung. Host des Podcastas ist die Journalistin Marilena Berends.

Interviews/Produktion: Marilena Berends Redaktion: Kathrin Meyer und Claudia Praml Produktionsleitung: Claudia Praml Layout und Postproduktion: gpap

Ausstellung: Tierstimmen. Kontakt durch Klang 13.9.26–14.2.27 Museum Sinclair-Haus, Bad Homburg v.d. Höhe

museum-siclair-haus.de ticket.museum-sinclair-haus.de

Transkript anzeigen

00:00:00: Willkommen bei Art in Vielfalt, dem Podcast für Kunst und Natur des Museums Sinclair House.

00:00:05: Ich bin Marilena Behrens, Journalistin und Moderatorin und begleite euch durch diese Staffel!

00:00:11: Wir hören Tierstimmen jeden Tag – das Zwitschern der Vögel am Morgen, das Summen von Insekten, das Bellen eines Hundes.

00:00:18: Aber viele dieser Stimmen nehmen wir selten bewusst wahr.

00:00:21: Was

00:00:22: verändert sich, wenn wir einmal versuchen wirklich zuzuhören?

00:00:26: Darum geht es in der Ausstellung Tierstimmen Kontakt durch Klang, die vom XIII.

00:00:30: September, im Museum Sinklerhaus zu sehen ist.

00:00:37: Die Ausstellung lädt dazu ein, die Äußerungen anderer Tiere neu wahrzunehmen und erkundet wie per Klang Kontakt entsteht.

00:00:45: In dieser Folge spreche ich mit Jessica Uerich und Martin Uerrich, die die Ausstellung in Zusammenarbeit mit Kathrin Meyer und dem Team vom Museum Sinclair Haus puratiert haben.

00:00:54: Jessica Ulrich ist Kunstwissenschaftlerin und forscht unter anderem zu Mensch-Tierbeziehungen in der Kunst und Ästhetik.

00:01:01: Martin Ulrich is Musikwissenschaftler, um beschäftigt sich mit Musik und Klang im Verhältnis zwischen Menschen und anderen Tieren.

00:01:09: Gemeinsam fragen wir – was passiert wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf die Stimmen anderer Lebewesen richten?

00:01:15: Können wir durch das Zuhören eine andere Beziehung zu unserer nichtmenschlichen Umwelt entwickeln?

00:01:21: Und was bedeutet es für uns Menschen?

00:01:49: Hallo.

00:01:49: Wir freuen uns auch da zu sein, danke für die Einladung!

00:01:52: Die

00:01:52: aktuelle Ausstellung, die trägt den Titel Tierstimmen Kontakt durch Klang.

00:01:56: Und Kontakt.

00:01:57: der setzt ja immer voraus dass man einander überhaupt erst mal wahrnimmt.

00:02:01: und im Alltag würde ich sagen sind wir meistens von einer massiven vor allem menschlichen Geräuschkulisse umgeben Durch Verkehr Gespräche Zivilisationslärm.

00:02:11: Deswegen die Frage an euch, Jessica und Martin.

00:02:13: Wie können wir unser Gehör im Alltag wieder ganz bewusst auf die Stimmen anderer vor allem Tiere ausrichten?

00:02:20: Habt ihr da vielleicht ganz praktische Tipps wie wir dieses Zuhören erst mal wieder neu erlernen können?

00:02:26: Ich finde das ist eine große Frage!

00:02:30: Du hast ja gerade dieses Problem der Lärmverschmutzung der Neuspelusion angesprochen von dem übrigens nicht nur wir Menschen sondern auch die Tiere betroffen sind mit uns in den Städtendörfern gemeinten Leben.

00:02:45: Ich glaube, üben kann man das wenn man

00:02:48: sich

00:02:49: einfach mal einen Moment rausnimmt aus diesem Alltagsrauschen und versucht seinen Gehör zu fokussieren sei es auf dem Vogel der vielleicht in der Abenddämmerung auf dem Hausdach sitzt oder auch nur auf das Rascheln im Gebüsch am Rande des Weges Aber dieses, wie man auch sagt, tiefe Zuhören zu erlernen.

00:03:11: Das geht nicht von jetzt auf gleich, sondern ist ein schrittweiser Prozess.

00:03:16: Wir haben im Begleitmagazin der Ausstellung tatsächlich einige Übungen inkludiert, die ein bisschen angelehnt sind an Pauline Oliveros Deep Listening, was so'n Konzept ist.

00:03:28: Genau das, wonach du fragst, zu entwickeln?

00:03:31: Wie können wir besser zuhören auf Natur und andere Tiere vielleicht doch auf anderen Menschen.

00:03:37: So diese Übungen machen vielleicht ganz viel

00:03:39: Sinn.".

00:03:39: Und was würdet ihr sagen, welchen Vorteil hätte das wenn ich eben diese Tierstimmen und Geräusche um mich herum wieder mehr wahrnehme?

00:03:48: Ich glaube, dass das Empathie mit mehr als menschlichem Leben schaffen kann.

00:03:54: Also es wäre zumindest meine Hoffnung und der Grund wieso ich mich mit diesem Thema beschäftige.

00:04:01: Martin hat ja eben schon von diesem Hintergrund Rauschen gesprochen.

00:04:05: damit meine ich jetzt nicht nur Neuspolusion sondern vielleicht sogar Naturgeräusche und Vogelschwarm Windgeräusch die wir so als Hintergrund wahrnehmen aber gar nicht realisieren, dass das ja tatsächlich einzelne Individuen sind mit ihren eigenen Bedürfnissen ihrer eigenen Handlungsmacht, ihren eigenen Wünschen und Nöten möglicherweise.

00:04:30: Und wenn wir uns dann auch auf individuelle Tierstimmen konzentrieren, schafft das möglicherweise Empathie – und das haben wir heute bitter nötig!

00:04:39: Der wissenschaftliche Fachbegriff der Für Jessica und für mich in unserer Arbeit wichtig ist wäre Anthropozentrismus.

00:04:46: Also Menschen konzentrieren sich viel zu sehr auf rein menschliches, menschengemachtes und blenden alles aus was von anderen Tieren, von anderen Organismen kommt und die Ausstellung versucht Wege aus dem anthropozentrischen Hörn zu weisen und Klanglandschaften als etwas mehr als Menschliches und sehr im gewisser Weise ökologisches hörbar und verstehbar zu machen.

00:05:13: Und ich schließe mich Jesse voll an, es geht um Empathie und es geht auch darum auf der Klang-Ebene aus dieser Falle des Anthropozentrismus

00:05:25: herauszufinden.".

00:05:26: Genau, das trifft ja auch auf die Kunstgeschichte zu.

00:05:32: In der auch Tiere jahrhunderte lang eher als Symbole, Metaphern oder sogar stumme Objekte dargestellt wurden.

00:05:39: Wenn wir jetzt Tierstimmen ins Zentrum rücken, dann verlassen wir diesen antroprozentischen Blick.

00:05:44: Deswegen die Frage vor welchen Herausforderungen würde ihr sagen steht denn jetzt gerade die zeitgenössische Kunst wenn sie Tieren wirklich auf Augenhöhe begegnen wollen?

00:05:53: Tatsächlich gibt es da sehr viele Herausforderungen.

00:05:56: Ein Aspekt, der immer wieder angesprochen wird ist der Anthropomorphismus nicht zu verwechseln mit dem Anthropozentrismus.

00:06:06: Der bedeutet das die Menschen im Zentrum sind und diese Vormacht Stellung behaupten im Tierreich.

00:06:13: der Antropomorphismus bedeutet dass wir oder vermeintlich ausschließlich menschliche Eigenschaften zusprechen.

00:06:23: Also alles, was wir da hinein hören vielleicht in die Tierstimmen reine Projektion sein könnte und das mag schon eine... gewisse Gefahr haben.

00:06:36: Es könnte schon sein, dass das sehr viel Projektion beinhaltet was wir in Tierstimmen hineinlesen aber für mich ist es viel gefährlicher den Tieren all diese Fähigkeiten abzusprechen die wir gemeinhennen den Menschen ganz selbstverständlich zusprechen zum Beispiel Emotionen vernunft soziales Verhalten.

00:07:00: Das haben andere Tiere genauso und das ist keine Projektion, es gibt viele Studien die besagen dass Menschen anderen Tieren sehr gut verstehen können.

00:07:12: also wenn wir eine Tierstimme hören, die irgendwie gestresst oder ängstlich ist dann können wir das sehr gut deuten.

00:07:19: Also dafür gibt's einfach biologische Studien die das belegen.

00:07:24: Es ist nicht alles Projektion.

00:07:25: hier sind auch Tiere und wir haben evolutionär, sind wir verwandt.

00:07:30: insofern ist nicht alles Projektion.

00:07:32: Also das wäre eine Gefahr.

00:07:34: es gibt natürlich noch sehr viele andere Herausforderungen und Hürden die in der Kunst der Kunstgeschichte oder den Künstlerinnen gestellt werden wenn sie sich mit Tieren als AkteurInnen mit Handlungsmacht beschäftigen.

00:07:52: aber dass wäre vielleicht so ein Einpunkt.

00:07:55: Ich überlege gerade ob ich zu der Frage überhaupt was sagen kann, darf und sollte.

00:08:00: Ich oute mich mal als der Musik-Wissenschaftler, der ich bin.

00:08:05: Jessica ist Kunstwissenschaftlerin und kann sehr kompetent um viel Expertise über die zeitgenossische bildende Kunst sprechen.

00:08:12: Ich bin ja eigentlich über diese Konzentration auf Klang und Musik mit in dieses Ausstellungsprojekt gekommen.

00:08:22: aber ein Aspekt denke ich für die Musiken der Tiere und auch für Fragen in der zeitgenössischen Kunst eine große Rolle spielt, ist diese Gefahr per se Äußerungen.

00:08:38: Und eben auch Klang-Äußerung von Tieren als sowas Unkulturelles also im Falle der Musik als Nichtmusik zu markieren.

00:08:46: da gibt es ne sehr lange Deutungstradition in der Musikgeschichte sozusagen die wahre Musik, die dann eben von Menschen gemacht wird.

00:08:54: Der nicht-Musik also zum Beispiel der berühmten Katzenmusik gegenüberstellt.

00:08:58: und eine andere Gefahr, die ich schon auch wahrnehme ist umgekehrt die der Verniedlichung.

00:09:02: Also das in dem Moment wo man Tiere hört vielleicht auch Tiere, die man eher sympathisch findet mit so einem süß Reflex antwortet und dann eigentlich dadurch überhört und vielleicht auch in der Kunst übersieht was da alles drinsteckt an kommunikativen Aspekten, an sozialen Praktiken.

00:09:24: An Reichtum des

00:09:25: Klangs.".

00:09:26: Jetzt hast du gerade schon gesagt genau das eben vor noch wenigen Jahrzehnten die Vorstellung dass Tiere Musik machen in der traditionellen Musikwissenschaft als fast naiv galt.

00:09:36: Was würdest du denn sagen, was hat sich denn ganz konkret verändert?

00:09:40: Dass wir heute Tierlaute wie zum Beispiel eben ihre hochkomplexen Rhythmen oder auch eben Dialekte als wirklich echte ernstzunehmende Musik anerkennen.

00:09:50: Das ist finde ich eine sehr gute Frage die gleichzeitig nicht ganz einfach zu beantworten ist.

00:09:57: Ich würde mal drei wichtige Entwicklungsschritte aufzeigen und ich denke es gäbe noch sogar noch weitere.

00:10:08: Ich glaube, eine wichtige Erkenntnis kommt eigentlich aus der biologischen Verhaltensforschung.

00:10:13: nachdem man Tiere in so einer westlichen Denk- und Philosophietradition lange als maschinenartige Geschöpfe als so ein Art Blackbox betrachtet hat die gar keinen Innenleben haben.

00:10:27: Haben wir inzwischen diese Kognitive Wände in der Verhaltensforschung erlebt.

00:10:32: Tiere haben offensichtlich komplexe Gedanken, komplexen Gefühle.

00:10:38: Sind Subjekte eines Lebens wie der Philosoph Tom Reagan sagen würde und das hat eben auch auf die Verständnis von Tier Musik abgefärbt.

00:10:46: Der zweite Schritt kommt auch aus der Naturwissenschaft, in dem Fall aus der Bioakustik.

00:10:50: Man hat einfach viel mehr gehört und aufgenommen und zum Teil auch hörbar gemacht indem Klang der für uns im Ultraschallbereich unhörbar ist mit technischen Mitteln auf einmal für menschliche Ohren erkennbar ist.

00:11:00: Und dann hören wir so wunderschöne komplexe Gesänge von Mäusen die im Ultrashallbereich singen Von natürlich den Buckelwahlen, die so ein Paradebeispiel sind.

00:11:10: Wir können uns sozusagen kaum noch dagegen wehren, dass man das als komplexe und musikartige Klanggebilde erkennt.

00:11:21: Und das Dritte ist denke ich schon was in der Musik und auch in der Wissenschaft selbst passiert ist nämlich dass man so ein bisschen abgerückt ist von einem sehr fokussierten Schöpfermodell.

00:11:35: Da spielt ja nicht nur der Anthropozentrismus eine Rolle, sondern da spielt auch das gute alte Patriarchat eine Rolle und der Eurozentrismus.

00:11:42: Lange Zeit war Musik etwas was von genialen weißen Männern aus Europa oder vielleicht noch so aus Nordamerika als individuelle Schöpfung auf Papier gebracht worden ist.

00:11:56: Und wenn man sozusagen das einmal umdreht und sagt Musik muss nicht auf Papiere fixiert sein und sie muss gar nicht von einer einzelnen Personen ausgehen.

00:12:03: Und sie kann vielleicht auch als sozial komplexe Leistung entstehen, der Musikwissenschaftler Christopher Small sagt Music King so eine Praxis des Klangwerdens dann sind auf einmal die Tiere viel leichter einschließbar und sind sozusagen mit am Tisch wenn es ums Musikmachen geht.

00:12:23: Jetzt ist es ja so, dass man in den Human-Animal Studies davon spricht.

00:12:28: Dass wir erst im Kontakt mit dem Nichtmenschlichen wirklich zum Menschen werden.

00:12:33: eine Art Beziehungsökologie könnte mal sagen Wie können uns denn Klänge und Stimmen dabei helfen diese Verwandtschaft die eben besteht?

00:12:41: Und das verweilen bei den anderen wirklich körperlich und emotional vielleicht auch nachzuvollziehen

00:12:48: Dieses immer besser verstehen was andere Tiere tun, produzieren auch klingen lassen und sich dabei selbst immer besser verstehen.

00:12:59: Das ist ja glaube ich so das was der französische Philosoph Jacques Derrida als Difference mit A NCE hinten beschreiben würde.

00:13:09: also es ist ein unendlicher Differenzierungsprozess der gleichzeitig das andere näher bringt und in seiner Eigenart aber auch verständlich werden lässt.

00:13:22: Ich stimme dir total zu, Maridena.

00:13:24: Das läuft bei Klang und beim Musik- und Sound über dem Körper.

00:13:28: also diese Verkörperung dieses Embodiment das ist ganz wichtig Und wir hören Wir Menschen hören Über unsere Ohren und mit unserem ganzen Kognitiven Hörapparat und andere Tiere hören zum Teil über ganz andere Sinnesorgane und nehmen das ganz anders war gerade auch wenn wir uns jetzt nicht im Element der Luft sondern vielleicht im Wasser bewegen oder im Erdeineren Und ich glaube, das zählt zu dieser Empathieübung über die wir am Anfang gesprochen haben.

00:13:58: Dass wir uns darauf einlassen dass irgendwie diese Schallwellen, diese Klänge sich über ganz unterschiedliche Medien und auch in ganz unterschiedlichen Verlaufgeschwindigkeiten verbreiten können und dass wir das auch als eine körperliche und verkörperlichte Erfahrung.

00:14:14: Tatsächlich ist ja der Untertitel, der Ausstellung Kontakt durch Klang und ich glaube dieser Begriff des Kontakts ist da auch wichtig.

00:14:24: Wenn ich mich jetzt nicht total irre, das du mir gerade während du gesprochen hast über Verkörperung gekommen kommt er ja etymologisch von Korn-Tangere möglicherweise also von Berühren und meinte eben tatsächlich eine körperliche Berührung.

00:14:38: Und die Schallwellen berühren uns natürlich, und situieren uns in einem Raum.

00:14:44: Und dieser Kontakt den ich einen schönen Begriff finde, weil er unter anderem auch von Donna Harroway fruchtbar gemacht wird ist eben auch kein unschuldiger Begriff.

00:14:55: diese Berührungen oder das aufeinandertreffen von Arten, von denen beispielsweise Donna Haroway schreibt, die den Begriff der Kontaktszone geprägt hat kann eben auch ein gewalttätiger oder gewaltsamer Akt sein.

00:15:10: Oder diese Kontaktzone kann eben so ein ambivalenter Ort sein, das ist nicht alles nur harmonisch und schön sondern in der Begegnung steckt ja auch das Wort gegen.

00:15:22: also dass es auch eine Konfrontation und wir haben Arbeiten in der Ausstellung zumindest eine kommt mir jetzt gerade in den Sinn von Lena Sarinen jungen finnischen Künstlerin.

00:15:36: Da geht es um die dunkle Seite der Empathie, denn auch Empathies ist nicht immer nur Friedefreude Eierkuchen.

00:15:43: Sie stellt solche Lokpfeifen her – das sind Pfeifen, die JägerInnen benutzen, um Tiere anzulocken und sie dann töten wollen.

00:15:52: Also JägarInnen wird ja oft nachgesagt, dass die besondere Art von Empathien für die Tiere haben, die sie umbringen wollen.

00:16:02: Also man muss sich sehr gut reinversetzen können in eine Gegnerin vielleicht auch, um ihr Schaden zu

00:16:09: können.".

00:16:09: Ich glaube es gibt von irgendjemandem so ein schönes Zitat dass irgendwie Hänkers Knechte besonders empathisch sein müssen damit sie die Leute besonders gut quälen können mit dem was ihnen besonders gut wehtut.

00:16:21: also das alles was ich damit sagen will ist dass dieser Begriff des Kontakts eben nicht ganz so unschuldig wie er vielleicht auf den ersten Blick erwirken mag.

00:16:31: Das passt vielleicht ganz gut zur nächsten Frage, weil das ja auch irgendwo ein Bruch ist.

00:16:36: Weil am Ende der Ausstellung wartet auch einen, würde ich sagen ziemlich radikaler Bruch auf uns, weil dort sehen wir einen Raum in dem wir eben keine Tierstimmen hören sondern einem Octopus begegnen.

00:16:48: und im Begleitbuch da sprecht ihr von der Notwendigkeit den Vokozentrismus zu überwinden also die Fixierung darauf dass ein Lebewesen erst eine hörbare Stimme haben muss um von uns als gegenüber anerkannt zu werden.

00:17:03: Deswegen die Frage, was hat es mit dieser Überwindung auf sich?

00:17:08: Ja tatsächlich ist die Arbeit, auf die du ansprichst, von Thomas Leitinen, zufällig auch ein finisher Künstler ... Ist eine Arbeit, die sich mit der Tentacularität des Oktopuses auseinandersetzt, so würde ich's vielleicht mal nennen.

00:17:22: also er baut einen Glasobjekt in den der Oktopus, wie in so einem Spielplatz oder sowas hinein klettern kann und den nutzen kann.

00:17:34: Und man beobachtet im Video wir dieses Objekt abtastet und die Welt wirklich taktil haptisch erkundet.

00:17:43: Diese Arbeit ist für uns sehr wichtig weil sie genau wie du sagst diese Abkehr vom Voco-Zentrismus von der Stimme als alleinigen Kommunikationsmedium.

00:17:56: Also es geht uns darum zu zeigen, dass viele ... Martin hat das auch gerade schon gesagt.

00:18:00: Viele andere Tiere ja nicht über Stimme kommunizieren sondern über Pheromone oder über Mimik oder G-Stick Körperhaltung über alle möglichen Dinge die wir dann aber gar nicht bemerken weil wir sie nicht als Kommunikation wahrnehmen.

00:18:21: und die Ausstellung stellt eben die Tierstimme immer ins Zentrum und in den meisten Arbeiten geht es darum.

00:18:28: Aber wir wollen trotzdem so einen Ausblick zeigen, dass auch andere Formen der Kommunikation genauso bedeutungstragend sein können.

00:18:36: deswegen dieser Arbeit mit dem Ortokus.

00:18:41: Theodor V. Adorno, der ja auch viel über Musik geschrieben hat würde das vielleicht als eine dialektische Wendung begreifen?

00:18:47: Die Ausstellung möchte eben keine einfachen Antworten geben.

00:18:51: sie will uns keine Einfache Lösungen anbieten, wie wir jetzt Tiere verstehen.

00:18:57: Es geht nicht.

00:18:58: damit beschäftigen sich ja auch einige Arbeiten in Geistreicher und zum Teil auch so ein bisschen ironischer Weise.

00:19:03: es geht nicht um den universellen Google Translator für Tier Kommunikation sondern sie will Angebote machen Angebote zur Empathie Übung was Jessica von schon sagte Angebote um ökologische Klanglandschaften zu verstehen wie wir das Ja Kompositionen bei Olivier Merciin, aber eben auch bei der ganzen Soundscape-Ecology erleben können.

00:19:29: Und sie will zum Hinhören, aber auch zum Nachdenken anregen und in diesem Sinne erschien uns das als eine produktive dialektische Wendung wenn man ans Ende der Ausstellung gelangt und das Gefühl hat jetzt bin ich krank nicht so bereichert und inspiriert und habe so viel Neue höher Türen geöffnet bekommen, nochmal so diesen leichten Stups zu bekommen.

00:19:53: Neudeutsch ein leichtes Nudging das es ja auch noch andere Sinnes-Ebenen gibt die für Tiere vielleicht auch bedeutungstragend sind.

00:20:01: Genau vielleicht auch an euch beide gefragt aus den unterschiedlichen Perspektiven der Kunst und der Musik was liegt für euch jenseits des Klangs?

00:20:08: Naja, ich bin Kunstwissenschaftlerin.

00:20:10: Für mich geht es oft um visuelle Dinge.

00:20:15: Wir haben beide die Arbeiten in der Ausstellung völlig unterschiedlich Angeschaut, sage ich jetzt oder auch gehört.

00:20:22: Also mich interessiert auf der visuelle Aspekt sehr stark und dich natürlich eher der auditive.

00:20:31: Und du guckst nach musikalischen Strukturen und ich schaue nach Bedeutung unter verfehlter Bedeitung oder einfach nur nach Handlungsmacht.

00:20:39: also es geht wie Martin ja eben auch sagte nicht um eine Plumpe Übersetzung von Tierstimmen sondern einfach darum zu zeigen dass da jemand Zuhause ist, dass da jemand sich äußert, dass jemand eine Stimme hat.

00:20:50: Möglicherweise kann man es auch übertragend sehen ne Stimme im politischen Sinne haben sollte oder das eben hat.

00:20:59: Ne Meinung vertritt, ne Perspektive auf die Welt hat.

00:21:02: und mich interessieren vor allen Dingen ethische Fragen mit metaphorischen Tierstimmen vielleicht dann zu tun haben und gar nicht unbedingt nur, es geht mir ja nicht so sehr um das akustische Phänomen.

00:21:16: Und das ist eher dein Metil?

00:21:20: Ja ich als Musikwissenschaftler gebe jetzt die vermutlich wenig überraschende Antwort jenseits des Klanges liegt für mich der neue Klang, der andere Klang ,der ungehörte Klang.

00:21:32: Die Versuchung ist groß zu sagen, jenseit des Klangs liegt vielleicht auch die Stille.

00:21:37: aber seit John Cage, der US-Avangardist, der so viel mit dem Verhältnis von Klang und Stimme experimentiert hat.

00:21:44: Spätestens seit John Cage wissen wir, phänomenologisch in unserer Lebenswelt gibt es die Stille eigentlich gar nicht.

00:21:52: Das war ja auch ein bisschen der Einstieg unseres heutigen Gesprächs.

00:21:55: Wir haben das genannt dieses Grundrauschen, dieses Hintergrundrausche.

00:22:00: Und ... Der Kunsthistoriker Giovanni Aloe hat vor ein paar Jahren darauf hingewiesen, dass selbst die Stilste Komposition der Musikgeschichte, John Cage berühmt es vierdreien dreißig.

00:22:11: Bei dem oft angenommen wird das findet in einem geschlossenen Raum statt und man hört gar nichts außer vielleicht den Unmut äußerungen des Publikums, dass darauf wartet, dass endlich angefangen wird das Klavier zu spielen was da still auf der Bühne steht.

00:22:24: Da selbst vierdreiunddreißig eine ökologische Dimension hat.

00:22:27: Cage hatte's im halb geöffneten Raum von Naturlauten umgeben war, aufführen lassen.

00:22:33: Und die Zuhörerinnen und Zuhöhrer der Premiere hörten Regentropfen, Blätterrauschen und Vogelstimmen.

00:22:42: also insofern ist Stille natürlich für mich als Musikforschenden ein eher relativer Begriff.

00:22:50: und nach dem Klang sozusagen kommt der nächste Klang.

00:22:54: ich bin immer ganz fasziniert davon was wir alles an Klängen noch nicht gehört haben weil wir eben noch nicht so lange richtig hinhören und genau darauf achten, was es so alles an eben auch tierlichen Klängen gibt.

00:23:06: Vielleicht kann ich da ganz kurz anschließen weil du gesagt hast... Du bist überrascht, was wir noch nicht gehört haben.

00:23:12: Vielleicht könnte man sogar so weit gehen zu sagen dass die Ausstellung so ganz nebenbei auch ein bisschen die Geschichte von Bioakustik rekapituliert.

00:23:23: also wir haben diese die ganz frühen Fotos ich glaube aus den dreißiger Jahren von Illa wo man einfach die Fotografin einen Tier bei der Lautäußerung fotografiert und dazu wird dann eine Aufnahme dieser tierlichen Lautäuserungen auf Schallplatt mitgeliefert.

00:23:41: Also wir haben die Schaltplatte, dann haben wir eben auch die Spektrogramme auf.

00:23:46: Spektrokramme sind die Visualisierung sozusagen von Tönen und dann haben die Aufnahmen, die dann teilweise auch verlangsamt werden oder schneller gestellt werden.

00:23:59: Wir haben die Notationen auf Notenpapier oder auch einfach so freie Transkription von Gehörten.

00:24:08: aber wir haben eben auch KI und digitale Medien also ganz... neue Formen sich mit Tierstimmen auseinanderzusetzen und ein Projekt, was im Moment so sehr durch die Presse geht.

00:24:25: Das ist CT, das ich mit den Pottwahlen Sprache auseinandersetzt und eben ganz stark auf neue Technologien setzt, auch künstliche Intelligenz beispielsweise.

00:24:41: Und wir haben auch eine Arbeit mit Virtual Reality und so.

00:24:44: also all diese Dinge weisen dann auch vielleicht in eine Zukunft wo wir Tierstimmen möglicherweise doch besser verstehen können als wir das heute noch können.

00:24:55: Jessica dort ist eben auch schon kurz einmal die ethische Dimension erwähnt und ein zentrales Anliegen des Museums in Klerhaus, es ist ja auch die lebendige Welt immer wieder neu erfahrbar zu machen.

00:25:08: Deswegen worin liegt für euch beide die tiefere ethische Tragweite wenn wir unser Gehör ganz bewusst für die Stimmen nicht menschlicher Tiere schärfen?

00:25:19: Ich glaube, ich habe das teilweise schon hier und da mal gesagt.

00:25:23: Aber du auch uns geht es oder mir geht es vor allen Dingen eben darum Tiere als Individuen, als Subjekte mit eigener Sicht auf die Welt.

00:25:36: Mit einer eigenen Perspektive und eigenen Wünschen und Bedürfnissen erfahrbar zu machen.

00:25:42: Und das ist glaube ich heutzutage in der Welt, die eben vor so großen ... Problemen steht, eine Polykrise was Arten sterben beispielsweise auch angeht Klimawandel politische Krisen und so weiter die ja immer auch in der Krise der Empathie sind ist glaube ich wirklich wichtig dass wir sehen Menschen mit ihrem Ja, ihrem Willen die Welt sich untertan zu machen und mit ihrem extraktivistischen kapitalistischen kolonialen Impuls müssen irgendwie ein bisschen zurücktreten.

00:26:19: Und die anderen Wesen in ihrem Sosein auch akzeptieren und ihnen Platz geben Raum geben ihre Stimmen äußern zu können.

00:26:31: Ich hoffe einfach dass je mehr man sich auf unter anderem Tierstimmen konzentriert, man so eine gewisse Empathie für die anderen, die nicht menschlich sind entwickelt und dann auch deren Bedürfnisse hoffentlich perspektivisch eher berücksichtigt.

00:26:48: Also vielleicht ist das auch nur ins Romer Wunsch aber Aufmerksamkeit für Alterität zu schaffen es glaube ich auch im zwischenmenschlichen Bereich ganz wichtig um durch diese Polykrisen zu kommen.

00:26:59: in den Wildbade stecken

00:27:03: kann das ja auch als eine Verantwortungsethik begreifen.

00:27:08: Also mich hat das den Tieren zuhören wirklich verändert, meine Einstellung zu Tieren verändert.

00:27:16: ich denke auf meinen Verhalten gegenüber anderen Tieren verändert und ich denke inzwischen dass diese ökologische Pulikrise, die Jessica gerade erwähnt hat und das sieht man finde ich insbesondere am Klimawandel.

00:27:35: Ein Vermittlungsproblem hat denn Wissenschaftsvermittlung ist ein oft trockenes und mühsames Geschäft liegt vielleicht in der Natur der Wissenschaften dass sie sind sehr Wort- und zahlgestützt und das ist weit weg glaube ich vom Alltagsleben vieler Menschen.

00:27:55: Meine große Hoffnung ist, dass die Künste hier eine affektive Ebene erreichen.

00:28:01: Die wir mit Grafen und Zahlen und Tabellen und Publikationen – wissenschaftliche Publikations – oft nicht erreichen.

00:28:11: Und ich glaube der Klang ist besonders prädestiniert um Emotionen anzusprechen.

00:28:17: Und zwar Emotion in positiven Sinne, in diesem wohltätigen und empathischen Sinne über den Waggabtsprechen anzusprechen.

00:28:26: Man sagt ja auch, es ist ein bisschen vereinfacht.

00:28:29: Aber es steckt glaube ich in richtiger Kern drin.

00:28:32: Wir können die Augen zu machen aber wir können unsere Ohren nicht verschließen.

00:28:35: also Das was ans Ohr dringt das wird von uns oft weniger bewusst wahrgenommen als die vielen visuellen Reize unserer Gegenwart.

00:28:42: aber auf einer Vielleicht manchmal unbewusster und weniger internationalen Ebene kann eine ungeheure Wirkung entfalten und ich glaub dass ist die positive Kraft die Auch von dieser Ausstellung ausgehen kann wenn man sich diesem Angebot öffnet und diesen Kontakt herstellt.

00:29:01: Genau, vielleicht kann ich noch ergänzen... Wir haben das glaube ich alle schon mal angesprochen aber das Problem des Artensterbens ist ja wirklich im Moment eines der vorherrschenden Probleme unserer Welt und ich glaube tatsächlich dass man überklang diesen großen Verlust emotional erfahrbar machen kann.

00:29:27: Wie du schon gesagt hast, Kunst spricht eben über andere Kanäle, über emotionale effektive Kanälen.

00:29:35: Superrinnen an!

00:29:36: Wir haben die Fakten, wir haben die Zahlen aus den Wissenschaften und wissen das alles.

00:29:40: wenn wir hören wie schön beispielsweise ein Vogel singt oder einen Wal sinkt und darauf aufmerksam gemacht werden dass diese Stimmen über kurz oder lang verloren gehen.

00:29:54: Oder schon zum großen Teil im Fall von Vögeln und Insekten ist das ja wirklich dramatisch zurückgegangen sind, weniger geworden sind.

00:30:03: Dann weiß man was wir verlieren.

00:30:05: Das sind eben auch nicht nur Individuen in so ein ganze Welten- und Beziehungen die verloren gehen wenn eine Art ausstirbt.

00:30:12: Und es ... Wir haben ja einen zumindest einen belegtes positives Beispiel wo tatsächlich die Stimmen der Tiere sehr viel Gutes getan haben.

00:30:21: Gesänge, die Buckelwahlgesänge von Katie Payne und ihrem Mann Roger Payne erforscht wurden.

00:30:27: Und das gab in den sichtiger Jahren diese LPs Songs auf der Humpback Whale, die ein bisschen vielleicht auch auf so einer Esoterikwelle schwimmend oder so möchte ich jetzt mal böse sagen du weißt es auch besser Martin sehr sehr Millionen von Menschen berührt haben Und dazu geführt haben, dass der Wahlfang verboten wurde.

00:30:52: Zumindest aus manche Wale in manchen Gegenden und bis heute die die Wahlpopulationen sich erholen konnten und die waren schon kurz vor dem Aussterben.

00:31:02: also hier hat wirklich der Gesang der Wahle die Menschen so berührt das sie sich für Wahlschutz eingesetzt haben.

00:31:10: Ich würde sagen, dann dürfen wir sehr gespannt sein mit welchen Eindrücken oder vielleicht auch veränderten Perspektiven die Besucherinnen und Besucher letztlich.

00:31:18: Die Ausstellung nachdem sie sie besucht haben verlassen werden.

00:31:21: ich für meinen Teil bin auf jeden Fall sehr gespannt Und möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich für eure Zeit bedanken Für die Einblicke in eurer Arbeit und für das Gespräch.

00:31:31: Vielen Dank

00:31:32: Danke schön Ja auch von uns.

00:31:34: vielen dank für das gespräch

00:31:40: A.

00:31:41: in Vielfalt, der Podcast des Museums Sinclair Haus Stiftung Kunst und Natur.

00:31:47: Sie hörten Marilena Behrenz im Gespräch mit Jessica Ulrich und Martin Ulrich die Ausstellung kuratiert haben.

00:31:55: Ein Beitrag zur Ausstellung Tierstimmen Kontakt durch Klang.

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